#100CC: 18- eine Hintergrundgeschichte

Moin!

Heute gibt es meinen ersten ‚richtigen‘ Beitrag zur Aktion #100CreativeChallenges. Und zwar habe ich heute die folgende Aufgabe bearbeitet:

  1. – „Schreibe eine Hintergrundgeschichte für eine fremde Person, die du du heute gesehen hast (auf der Straße, in der S-Bahn, etc.). Du kannst ihr auch einen Namen geben.“

Ich hatte noch von einem anderen Projekt Stichworte, zu denen ich noch keinen Text geschrieben hatte und habe die beiden ‚Aufgaben‘ kurzerhand verbunden. Das hier waren die Stichworte, die ich genutzt habe:   Zweifel – Frustration – Leere – Trauer – Gedanken.

Zwar ist es mehr eine weitergeführte als eine richtige Hintergrundgeschichte, aber ich denke, das ist auch in Ordnung. Viel Spaß beim Lesen und lasst gerne Feedback da. Was ist euch spontan zu diesen Stichworten eingefallen, welche Ideen hattet ihr für diese kreative Aufgabe? Schreibt mir gerne!

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Der Bahnsteig war endlich wieder leer, nachdem die Bahn abgefahren war. Nur zwei Jugendliche saßen auf der anderen Seite der Bank, auf der sich ein junger Mann niedergelassen hatte. Müde tippte er auf seinem Handy herum und stieß nach ein paar Momenten einen tiefen Seufzer aus. Es klang resigniert und er sank etwas weiter in sich zusammen, als er sowieso schon gesessen hatte. Neben ihm stand ein Eimer mit Utensilien zum Fensterputzen. Wieder einer dieser Jobs, die nur für kurze Zeit ein wenig Geld brachten. Da war immer diese gewisse Leere, die ihn ausfüllte, wenn er wieder nicht für eine längerfristige Arbeitsstelle genommen wurde. Dabei war es gerade jetzt so wichtig, dass er Geld nach Hause brachte. Seine Freundin, die seit einem halben Jahr auch seine Verlobte war, erwartete ein Kind.

Es war alles durchgeplant gewesen. Sie hatten beide eine feste Arbeitsstelle. Er als Malermeister in einem Betrieb, der gut lief und sie war von ihrer Ausbildungsfirma als Fachkraft übernommen worden. Die Gedanken an den Tag, an dem sich die Dinge plötzlich änderten, waren immer noch fast jeden Tag präsent. Die Malerfirma, bei der der junge Mann gearbeitet hatte, war über Nacht komplett abgebrannt und im Anschluss daran, musste die Firma schließlich Insolvenz anmelden. Er war einer der Leute gewesen, die gehen mussten. Mittlerweile schien die Situation ausweglos und die Frau beim Arbeitsamt, der er zugeteilt worden war, schien auch kein großes Interesse daran zu haben, ihm wirklich zu helfen. Sie schlug ihm lediglich offene Stellenanzeigen vor, die er mit etwas Recherche auch selbst finden konnte. Wenn sie keine Lust darauf hatte, Menschen ernsthaft bei der Jobsuche zu helfen, was tat sie dann dort?

Für kurze Zeit wurde der Mann aus seinen Gedanken gerissen, seine Bahn war nun angekommen und war wieder einmal viel zu voll. Wie konnten die Menschen, die ihm dann gegenüberstanden nur so gute Laune haben? Das Wetter war mies, es regnete leicht und der eiskalte Wind ließ einen fast vergessen, dass es bald Frühling war. Missmutig stellte der Mann den Eimer neben sich auf den Boden. Er war an dem Punkt angekommen, an dem Menschen mit guter Laune, seine eigene nur noch schlechter machten.

Einige Kilometer entfernt kam eine Frau, die etwa 25 Jahre alt war, aus einem Gebäudekomplex. Sie war den Tränen nahe und ging nur langsam die Straße hinunter, die zu ihr nach Hause führte. Als sie eine Viertelstunde später die Wohnungstür hinter sich schloss, brachen ihre Emotionen förmlich aus ihr heraus. Mit dem Rücken an der Wand kniend und das Gesicht in den Händen vergraben, flossen die Tränen. Unfassbarer Schmerz durchzog ihre Brust und ließ sie kaum atmen. Sie fühlte sich, als hätte ihr jemand mit voller Wucht einen Schlag ins Gesicht verpasst. Das, was sie in der letzten Zeit immer wieder durch den Tag getragen und mit Hoffnung erfüllt hatte, gehörte nun der Vergangenheit an. Das kleine Leben, was sich langsam entwickelt hatte, war nicht dafür bestimmt gewesen, zu leben.

Irgendwann versiegten die Tränen, doch der Schmerz blieb und mit ihm die Trauer. Unten war jemand durch die Haustür gekommen und war auf dem Weg nach oben. Er hielt freudestrahlend einen Brief in der Hand und nahm dann den Schlüssel, um die Wohnungstür aufzuschließen.

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6 Gedanken zu “#100CC: 18- eine Hintergrundgeschichte

  1. Huhu :)
    Die Geschichte gefällt mir wirklich sehr gut! Die Erzählung ist etwas, dass sich eben wirklich in dem Leben dieser Personen abspielen könnte, was es noch ein Stück trauriger macht.. Wie auch schon bei deinen Adventsgeschichten habe ich hier wirklich gut die Bilder vor Augen gehabt und (leider) auch die Gefühle der beiden geteilt… verliere diese Art zu schreiben bloß nicht :)

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  2. Wow, sehr berührende Geschichte. Mach weiter so. ;)

    Als ich die Aufgabe las, musste ich direkt an die vielen Wohnsitzlosen denken, die ich jeden Tag an den Bahnhöfen sehe. Ich muss jedes Mal darüber nachdenken, was diesen Menschen wohl passiert sein muss, dass sie nun auf der Straße leben.
    Zu dieser Hintergrundgeschichte würden deine Stichpunkte dann auch gut passen.

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    • Dankeschön :)
      Oh ja, das kommt mir auch sehr bekannt vor. Auf meinem Weg zum Bahnhof sitzen auch sehr oft Menschen, die dann um etwas Kleingeld bitten.
      Schreibst du selbst auch manchmal die ein oder andere Geschichte? Würde mich freuen, davon mal etwas zu lesen :)

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      • Ehrlich gesagt ja, ich liebe es kreativ zu schreiben und meine Gefühle dadurch auszudrücken! :)
        Leider blieb das in letzter Zeit etwas auf der Strecke, aber ich will da definitiv Mal wieder etwas verfassen. Ich lass es dich wissen, wenn ich etwas geschrieben habe :)

        Gefällt 1 Person

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