Geschichte zum 2. Advent

Guten Abend!

Es ist soweit, heute ist der zweite Advent. Nun ist auch schon Dezember und ich durfte schon „Türchen“ von meinem Adventskalender öffnen, habt Ihr auch einen bekommen? Ich freue mich jeden Tag darüber, eine Kleinigkeit auspacken zu dürfen, danke Mama (:

Die heutige Geschichte spielt (im Gegensatz zur der von letzter Woche) genau dort, wo viele von uns stehen. Nämlich in einer Stadt, wo Weihnachten nicht immer Besinnlichkeit bedeutet und von Zeit zu Zeit auch komplett vom Stress überdeckt wird.

  1. Advent

„Man geht zur Arbeit –es ist dunkel. Man macht sich auf den Weg nach Hause –es ist dunkel“, murmelte ein junger Mann vor sich hin, als er eine schwer aussehende Tasche schulterte und in Richtung Tür ging. Tatsächlich war es finster draußen und ein kalter Wind wehte ihm entgegen, als er das hohe Bürogebäude durch die Schiebetüren verließ.

Mit einem resignierten und genervten Gesichtsausdruck machte er sich auf den Weg. Nicht nur, dass er seit zwei Wochen jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit fahren musste, weil sein Auto in der Werkstatt war, nein, heute sollte er auch noch seine Nichte aus dem Kindergarten abholen. Das bedeutete einen Umweg und von dort aus war selbst Bus fahren keine Option, sie würden laufen müssen und das bedeutete auch, dass es heute alles deutlich später werden würde. Eigentlich tat er gerne etwas für seinen Bruder, allein schon der Kinder wegen. Und klar, heute ging es nun einmal nicht anders. Aber seit er morgens das Bett verlassen hatte, hatte sich so einiges angesammelt, was den Tag alles andere als besser machte. Erst hatte er die Info bekommen, dass das mit seinem Auto doch noch Zeit brauchte, dann war der Bus so voll gewesen, dass er sich wie in einer Sardinenbüchse gefühlt hatte und im Büro waren die Dinge auch nicht gerade angenehm gewesen. Irgendwie mochte im Moment alles nicht so recht laufen und für manche Dinge wurde die Zeit inzwischen auch knapp. Insgesamt war alles recht stressig gewesen und er hatte in diesem Augenblick eigentlich nur drei Wünsche: So schnell wie möglich nach Hause kommen, etwas essen und dann nichts mehr tun müssen und sich anstatt dessen entspannen. Vielleicht bei einem guten Film, vielleicht auch bei einem schlechten. Egal. Er seufzte einmal tief und ging schnellen Fußes weiter.

Einige Minuten später stand er dann vor besagtem Kindergarten. Drinnen war es wohlig warm und alles war weihnachtlich geschmückt. Lichterketten, von Kindern gemalte und gebastelte Werke zierten die Wände und Fenster der Räume. Es war erstaunlich ruhig, was wohl aber daran lag, dass es schon recht spät war und nicht mehr allzu viele Kinder hier waren. Zum Glück wurde hier etwas länger betreut als an manch anderen Stellen, sonst wäre der Plan, der schon Plan B oder schon C war, gar nicht erst aufgegangen. Es war so oder so alles mehr oder weniger improvisiert, aber an manchen Dingen konnte man eben nicht so schnell etwas ändern.

Der junge Mann sprach noch etwas mit einer Erzieherin, bevor ihn seine Nichte entdeckte und auf ihn zugelaufen kam. Sie war ein dünnes und dunkelhaariges Mädchen und machte mit dem Lächeln auf dem Gesicht einen sehr zufriedenen Eindruck. Die dunklen Löckchen ringelten sich bis zu ihren Schultern und wippten, als sie lief. „Onkel Tobias, warum bist du hier und nicht Mama?“, fragte sie erstaunt, als sie vor ihm stand. „Stella meine kleine Maus, Mama und Papa hatten heute auf einmal ganz viel zu tun bekommen, deswegen hole ich dich heute mal ab“, erklärte Tobias ihr „Lass dich doch mal drücken!“. Er breitete seine Arme aus und drehte sie einmal im Kreis, bevor er sie wieder vor sich auf die Füße stellte. Von jetzt auf gleich war all die schlechte Laune verschwunden. Ein Lächeln stahl sich auf sein Gesicht und blieb noch eine ganze Weile dort.

Gemeinsam, Stella an der Hand ihres Onkels, brachen sie auf, um durch die Stadt nach Hause zu gehen. Stella erzählte von ihren spannenden Erlebnissen aus dem Kindergarten und versuchte dann die beleuchteten Fenster, an denen sie vorbei gingen, zu zählen. Doch dann gab sie auf und sagte: „So viele Finger habe ich doch gar nicht. Und du Tobi?“. Er musste schmunzeln und antwortete dann: „Ich habe genauso viele Finger wie du, Stella“. Dann blieb er stehen, hockte sich hin und streckte seine Hand zu ihr aus. Die Kleine hielt ihre Kinderhand dagegen und stellte fest, dass ihr Onkel Recht hatte. „Aber wenn du erstmal in der Schule bist, dann kannst du alle Fenster hier zählen“, sagte Tobias zu ihr. „Alle?“, fragte Stella erstaunt und machte große Augen. „Vielleicht nicht alle überhaupt, aber sehr sehr viele“, erwiderte er. Darüber musste sie erstmal eine kleine Weile nachdenken und die beiden setzten sich wieder in Bewegung.

So gingen sie ihres Weges und seine Nichte hatte den ganzen Tagesplan von Tobias durcheinander geworfen. Aber irgendwie war das gut. Sie hatte ihn nämlich auch zu einem Tag gemacht, an den er sich gerne noch erinnerte, als sie schon längst viel älter war. Denn sie hatte ihn daran erinnert, wie schön es ist, sich nicht über Dinge zu ärgern, die man nicht ändern kann.

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2 Gedanken zu “Geschichte zum 2. Advent

  1. Wenn auch stark verspätet, bin ich gerade mal dazu gekommen diese Geschichte hier zu lesen und finde sie sehr sehr schön :D Dein Schreibstil lässt die Zeilen hier einfach in Form von Bildern im Kopf lebendig werden und bei der Stelle mit den Fenstern konnte ich förmlich das glitzern in den Augen der Kleinen sehen! Vielen Dank für diese kleine Geschichte mit einer schönen Moral! Da es ja nun auch bald schon soweit ist, ein schönes, besinnliches, gemütliches und sicheres Fest! ^-^

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